Chicago 1924 Kurzgeschichte und Hörspiel von Ralf Christoph Kaiser auf theBedtimestory.online

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Liebe Freunde der Kunst von Ralf Christoph Kaiser und thebedtimestory.online, heute möchte ich euch eine weitere Kurzgeschichte schenken in Kombination mit einem ergänzenden Hörspiel. Die Kurzgeschichte und das Hörspiel spielen beide in Chicago 1924. Es ist ein bisschen schmutzig dort am Hafen, doch die Erlebnisse sind schöne Liebesabendheuer...

Hier die Kurzgeschichte: "Chicago 1924 by Ralf Christoph Kaiser"

 

Chicago 1924


Ich fahre in meinem Chevrolet in Richtung Hafen am Chicago River. Es ist nach 22 Uhr und ich habe heute mein Gehalt bekommen. Mit gefüllter Brieftasche fahre ich beim Blue Angel vor parke und steige aus.

Es ist eine Hafen Spelunke die bis in die frühen Morgenstunden geöffnet hat.

Ich komme genau zur rechten Zeit. Der Schichtwechsel war schon, die Küche ist jetzt dicht, aber an der Bar meine verehrteste Wildkatze. Mit dem allwissenden Schlangenblick, so verführerisch wie damals im Paradies als Adam von dem Apfel aß.

Ich bestelle einen doppelten Whisky mit Eis und schaue ihr zu wie sie diesen zubereitet.

Ich verfolge jede ihrer Bewegungen. Sie ist graziös und bewegt sich geschmeidig. Sie wirft ihre Haare zurück und lächelt mich an. Doch irgendwie ist sie heute wieder motzig drauf. Ich glaube sie träumt schon lange von einem besseren Leben fernab von dieser Absteige hier, doch die Gewohnheit ist ein großes Tier und der ein oder andere lieb gewonnene Kunde im richtigen Moment willkommen.

Sie erklärt mir was sie von all den albernen Zimtschnecken und Pinup Girls in den Hochglanzmagazinen hält. Sie ist angewidert von diesem Frauenbild bei den Männern; schon so lange überholungsbedürftik, doch solange bei ihr das Geschäft brummt hält sie sich zurück. Ich versuche sie umzustimmen erzähle ihr an der Theke stehend ein paar Geschichten aus meinem Leben. Plötzlich blendet sich alles drum herum aus. Es ist wie im Film. Andere Kunden kommen und gehen, doch ich halte an meinem Film fest, überzeuge sie mit ein bisschen Humor und Augenzwinkern in Ihrer Pause eine Zigarette mit mir zu rauchen.

Wir finden uns auf der Terrasse alleine wieder. Ich gluckse vor Freude.

Sie bittet um Feuer, ich reiche ihr mein Feuerzeug, würde mich nicht trauen ihre Zigarette anzuzünden. Es ist sowieso traurig so viel zu rauchen und ich will mich nicht noch mehr schuldig machen. Wir tauschen ein paar Worte dann wird Sie von der Kundschaft zurück hinter die Theke gerufen. Ich rauche noch fertig. Ihre Kippe klimmt noch, nur zur Hälfte aufgetaucht, im Aschenbecher.

Es ist eine Winternacht und fast Sternen klar, dazu recht kalt.

Bevor ich gehe werfe ich Ihr noch einen Gruß zu, dann fahre ich über glücklich von dannen.

Wir haben geredet von einer offenen Ehe mit Liebe nebenbei.

Sie war interessiert von meiner neuen Flamme zu hören, der Unternehmerin die jetzt nach dem Verkauf ihres Geschäftes in den verdienten vor Ruhestand geht. Irgendwie fühlt es sich jetzt gerade besser an, wenn man offen über alles spricht.

Früher als ich gekommen bin zu ihr war es immer etwas verrucht, da ich verheiratet und sie auch in festen Händen, doch heute war es wie ein „Aha Erlebnis“, wie eine Absprache mit Tollerierung der platonischen Liebe nebenbei. Sie kennt das sowieso schon, ich hatte mir das gedacht.

So ein Job hinter der Theke fordert auch die Bereitschaft mehrere Verehrer in Kauf zu nehmen. Das ist einerseits bewundernswert, andererseits auch bisschen speziell. Ich hoffe sie kommt dort wieder gut weg, weil sie hat noch etwas zu erwarten vom Leben.

Ihr Traum zu studieren und später einen besser bezahlten Job zu bekommen gilt.

Über politische Themen hatten wir uns schon öfters ausgetauscht. Sie ist hier gut informiert und ein bisschen für wichtige Reformen.

Ein bisschen Revoluzzerin schon fast, das hatte mir imponiert.

Manchmal waren wir fast wie eine Verschwörung, wenn wir uns gegen die offizielle Politische Meinung aufgewiegelt hatten.

Oftmals war ich schon schwer beeindruck von ihr, weil sie so eine klare Aussprache hat und eine deutliche Meinung mit viel Lebenserfahrung trotz ihrer jungen Jahre. Sie ist 23 Jahre jünger als ich. Ich könnte Ihr Vater sein. Manchmal hat sie mich schon als Opa betitelt und ich ließ es mir von ihr gefallen.

Ein Blick in ihre leuchtenden Augen hat jedes Mal genügt und ich wusste wieder wie schön tiefe dunkle braune Augen sein können. Von so einer Tiefe und Wärme und voll von Leben.

So als würde ich sie schon seit Jahrhunderten kennen.

Heute hatten wir es auch davon. Es ist wie eine multidimensionale Begegnung physisch rein platonisch doch auf anderen Daseinsebenen in der Vergangenheit oder in der Zukunft gibt es auch gemeinsame Geschichten. Das ist das reizvolle auch an kurzen Treffen mit loser Verbindung. Es gibt immer Nahrung auch für die Seele und für die Geschichtsbücher.

Einmal hatte Sie ihr Freund abgeholt nach der Arbeit als ich auch gerade ging. Er fuhr vor mit seiner Luxus Karosse, und ich war froh, dass sie bei ihm gut versorgt ist.

Ein bisschen ein mulmiges Gefühl war es schon so neben ihr in meinen Wagen einzusteigen und mich vor ihrem Freund von ihr zu verabschieden, doch soviel Kunden wie hier täglich ein und aus gehen, da muss dieser bestimmt schon länger damit zurecht kommen, dass er sie mit anderen teilt. Irgendwie liegt darin bestimmt auch die Zukunft, das es mehr Wechsel und Nebenbei auch bei festen Partnerschaften gibt. Solange es achtungsvoll geschieht und in beiderseitiger Absprache.

Vielleicht ist das sogar teilweise eine Garantie dafür, dass es länger mit derselben Person im Glück möglich ist zusammen zu bleiben.

Ich hatte früher schon damit experimentiert, doch oft war ich eifersüchtig. Dennoch ist irgendwie viel möglich gewesen. Eine Vereinfachung ist es dabei bei mir gewesen die Liebe nebenbei auf plantonischer Ebene zu erhalten ohne physischen Austausch.

Das ging oft eine sehr lange Zeit gut.

Es erfordert zwar Disziplin und auch achtungsvollen Umgang, bringt aber lange Zeit viel Vergnügen. Da wo man sonst vielleicht nur 1 mal sich im Bett treffen würde hat man vielleicht mehrere Jahre einen wärmenden Ofen. Eine Umarmung hatte mir oftmals genügt zur Begrüßung oder zum Abschied.

Diese Offenherzigkeit lernte ich von einer ehemaligen Bandkollegin, die ich heiß und innig liebte und welche mir diese Möglichkeit der Zuwendung zeigte.

Eigentlich eine schöne Geste des Vertrauens mit Freunden und mit der Familie diese Umarmungen zu praktizieren, solange diese echt gefühlt sind.

Immerhin 20 Jahre lang hatte ich das regelmäßig erlebt.

Ich fahre also heute nach Hause erfüllt von Stolz und Dankbarkeit - bin zufrieden mit mir. Heute war ich endlich mehr Gestalter statt Spielball;

mehr der Regisseur und weniger der Statist.

- Eine wohltuende Erfahrung.


 


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Im Downloadpaket erhaltet Ihr die Kurzgeschichte in einer internationalen Fassung als PDF und dazu das Cover und das Hörspiel als 24 bit 44 Khz Wav Datei.

Das Hörpsiel ist über 8 Minuten lang und ergänzt die Kurzgeschiochte um ein paar weitere Highlights mit Musik und Soundgeräuschen ist es wie ein auditiver Spielfilm, der vor dem inneren Auge ablaufen kann und die Phantasie anregt.

Danke für euren Support!

Euer Ralf Christoph Kaiser und das Team von TheBedtimestory.online